Montag, 12. Dezember 2011

Energiearbeit: Familienaufstellungen in Fürth


Der Mensch ist unabhängig und in seinem Handeln frei. Er kann tun was er will. Doch wie wahr sind solche Aussagen? Inwieweit beeinflusst uns doch das System, in das wir eingebettet sind? Die Familienaufstellung kann auf solche Fragen die Antwort liefern.
Harald Kriegbaum, systemischer
Familienaufsteller seit 1992.

Familienaufstellung - Was ist das?

Familienaufstellungen sind eine Form energetischer Arbeit. Es werden Beziehungskonstellationen, die für Betroffene belastend sind, durch unabhängige Teilnehmer nachgestellt. Man unterscheidet zwischen dem Aufsteller und den Stellvertretern. Der Aufsteller formuliert sein Problem in wenigen Sätzen vor der Gruppe. Danach sucht er sich einen Teilnehmer heraus, der stellvertretend für ihn selbst in die Rolle eines Familienmitglieds taucht. Dann legt der Aufsteller seine Hände auf den Rücken des Stellvertreters und überträgt Energie auf ihn.


Harald Kriegbaum, systemischer Familienaufsteller und Coach, beschäftigt sich bereits seit 1992 mit Familienaufstellungen: „In dem Moment, wenn die Energie auf den Stellvertreter übertragen wird, ändert sich auch die Energie im Raum. Es ist fast greifbar, dass plötzlich der Stellvertreter die Rolle des Familienmitglieds übernommen hat.“

Nachdem der Aufsteller dem Familienmitglied einen Platz im Raum zugewiesen hat, werden weitere Mitglieder aufgestellt. Dies geschieht rein intuitiv und wird nur mittels eigener Energien gesteuert. Im Laufe der Aufstellung kommt es dann zu Interaktionen zwischen den Stellvertretern. Der Aufsteller selbst bleibt lange nur Beobachter und wird erst aktiv, wenn es darum geht Blockaden in sich selbst zu lösen. Dies können langgehegte Hemmungen sein, die erst durch die Aufstellung erkannt werden. Als Beispiel führt Kriegbaum die typische Problematik mit einem „Schrei-Kind“ an: „ Es ist gut möglich, dass ein Kind nur deshalb schreit, weil ein Teil der Eltern das nicht tut. Das Kind geht also in Resonanz mit diesem Elternteil. Es schreit stellvertretend an der Stelle, an der dieser Elternteil schreien sollte, sich aber zurücknimmt oder sich nicht traut. Wird dies in einer Aufstellung erkannt und gehen die „Erwachsenen“ in ihre Energie, indem sie sich bestehenden Konflikten stellen und diese bewusst ansehen, kann dies das Verhalten der Kinder beeinflussen.“ So können bereits kleine Gesten beim Lösen energetischer Konflikte behilflich sein. Doch wie funktioniert das?

Das System ist die Basis - Die Energie ist der Motor

Energetisch konzipiert: Das Zentrum
für systemische Aufstellungen.
Zwei Faktoren spielen eine entscheidende Rolle. Die Grundlage der Familienaufstellung ist das systemische Feld, in das wir alle eingebettet sind. Dies kann die Familie sein. Sie ist das stärkste aller Systeme. Auch Partnerschaften, Freundschaften oder berufliche Beziehungen stellen Systeme dar. Menschen treten miteinander in Resonanz, übernehmen unbewusst Verhaltensweisen von Eltern, Geschwistern oder Kollegen. Möglicherweise lehnen sie diese auch kategorisch ab. Voraussetzung für diese Resonanzen ist Energie. Sie stellt den zweiten Faktor dar. Jeder sendet Energie aus. Dies geschieht größtenteils unbemerkt, ist aber von beachtlicher Relevanz für unser Leben. Um dieses Phänomen zu verdeutlichen, nennt Harald Kriegbaum ein Beispiel: „Ein Hund merkt oft schon Minuten vor dem Eintreffen seines Herrchens, dass dieses nach Hause kommt. Er fängt an mit dem Schwanz zu wedeln, weil er schon lange vorher die Energie seines Herrchens spürt. Wie ist das möglich?“
Mit diesen Voraussetzungen können „energetische Verstrickungen“ gelöst werden, indem die Situation in der Familienaufstellung ausgelebt wird. Es spielt keine Rolle, dass es sich „nur“ um Stellvertreter handelt und die richtigen Familienmitglieder nicht anwesend sind. Die systemische Energie wirkt über die Stellvertreter. „Auch bei den Mitgliedern der Familie, die nicht anwesend sind oder nicht einmal etwas von der Familienaufstellung gewusst haben, kommt es zu Veränderungen. Das ist faszinierend.“, erzählt Harald Kriegbaum aus langjähriger Erfahrung.

Für wen sind Familienaufstellungen geeignet?

Die Gruppe bildet einen wichtigen Teil der
Aufstellung
Menschen, die in psychologischer Therapie sind oder mit Psychopharmaka behandelt werden, eignen sich nicht für die Aufstellung. Zwar kann in Absprache mit dem behandelnden Psychologen eine Ausnahme gemacht werden, aber Harald Kriegbaum rät davon meistens ab: „Da es sich bei der Familienaufstellung nicht um eine anerkannte schulmedizinische Therapie handelt, eignet sich dieses Verfahren nicht unbedingt für Menschen, die eine diagnostizierte psychische Erkrankung haben.“ Die Familienaufstellung ist also kein Ersatz für eine notwendige Therapie. Sie kann jedoch sehr wohl dabei helfen, Konflikte aufzuspüren und eine zielgerichtete Lösung zu liefern.

Umgang mit Kritik

Rückzugsmöglichkeiten für die Teilnehmer
Natürlich steht diese Form der Arbeit oft in der Kritik. Ist doch gerade die energetische Arbeit nicht offensichtlich nachweisbar. Harald Kriegbaum lacht auf die Frage, wie er mit Kritikern umgeht: „Kritiker haben immer Recht.“ Und er merkt an, dass ihn diese keineswegs stören, denn es gebe auch Kritiker, die am Ende einer Familienaufstellung plötzlich überzeugt sind. „Die anderen, die es nicht sind, waren es ja vorher auch nicht.“ Am Ende spielt es auch keine Rolle, ob es sich bei einer gelungen Familienaufstellung um geglückte Energiearbeit oder einen reinen Placeboeffekt handelt. Wichtig ist nur, dass sich bei den Teilnehmern etwas verändert und sich vielleicht sogar der bestandene Konflikt aufgelöst hat.


Weitere Informationen zum Thema: 

Konflikte entstehen oft durch Stress. Was Sie selbst gegen den Stress im Alltag tun können, lesen Sie bei uns.

Zu viel Stress tut niemandem gut und zu viel Stress kann auch zu einer gefährlichen und weitverbreiteten Krankheit führen: dem Burn-out-Syndrom!


Alle Bilder wurden von Harald Kriegbaum zur Verfügung gestellt.




1 Kommentar:

  1. Einmal ein sehr ausgewogener Artikel zu diesem oft umstrittenen Thema. Danke!

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